Freiheit im Netz!

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Dante's 3D-world Dante's 3D-world
Das Thema der NCC07 ist "Freiheit im Netz". Warum dieses Thema und was passieren soll beschreibt dieser Artikel, welcher die Ideen und Beiträge des NCC-Teams zusammenfasst.
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Dante's Hell (Boticelli) Dante's Hell (Boticelli)

(english Version)

Gerade in Zeiten, in denen Weltordnungen nicht mehr funktionieren [1] , gibt es die Sehnsucht nach einem Ort, an dem alles gerechter, besser und klarer ist. Nicht nur die vermehrte Hinwendung zu mythischen und religiösen Systemen, sondern auch die Visionen von virtuellen Welten ist eine Folge dieses Umbruchs. Diese Sehnsucht geht weit über das Mittelalter hinaus, wo Dante Alighieri die Parallelwelt beschrieb, die in Levels eingeteilt nach genauen Regeln von Himmel zur Hölle verlief. Die Schaffung virtueller Netzwerke eines sozialen Zusammenlebens ergab nicht nur die Phantasien von Cyberspace und virtuellen 3D-Welten, sondern auch immer eine Beschreibung der Regeln und Gesetze welche in diesen herrschen. Dabei etablierte sich in der Realisation eine Vision vom "Netz aller Netze" - dem Internet - und obwohl die Fragmentierung in kleinere Netze mit eigenem Regelwerk immer noch besteht, so stellen die Funktionen einen globalen Konsens dar.

Die versprochene grenzenlose Freiheit entpuppte sich immer mehr als Welt der Regeln, welche die Hauptbetreiber (globaler Konsens) bestimmten. Waren es anfangs Techniker, die ein fehlerfreies Netz garantieren wollten, waren es später die Idealisten, die auf das korrekte Benehmen im Netz achteten. Nun sind es die kommerziellen Interessensvertreter und Betreiber, die unser westliches kapitalistisches System vertreten und nun versuchen mit Hilfe der Politik und des Rechtsstaates ihre Regeln durchzusetzen. Und dies immer um den Preis der Freiheit im Netz. Es geht nicht nur um die Infomacht, Macht der Medien (print goes online und "besetzt" unseren Raum), sondern auch um die Erhaltung des politischen Systems, der gesteuerten Demokratie.

Überall wurden rechtliche Grundlagen geschaffen, damit das Leben im Netz den gleichen Regeln und Gesetzen, wie in der analogen Welt, unterworfen ist: Copyright, Softwarepatente, Privacy, Security, Recht, und das zum Teil in Widerspruch zu den Naturgesetzen, wie die "Möglichkeit des Kopieren von Digitalen Daten".

Das Netzwerk von mur.at, entstanden 1998 aus einem allgemeinen Bedürfnis nach Möglichkeiten zur freien Nutzung neuer Kommunikationstechnologien speziell für künstlerische Zwecke, ist inzwischen für viele Institutionen und Initiativen im Kulturbereich zu einer selbstverständlichen Einrichtung geworden.

Überall überwachen Organisationen die Kommunikation, die Privatheit wird unmerklich umgangen und jeder demaskiert sich ungewollt ("Goodbye Privacy"). Nein! Nicht überall: Das kleine Netzwerk mur.at trotzt den Bemühungen und es steht nicht alleine da. Die Tendenz zur Dezentralisierung von Communities (Autonomie, Selbstbestimmung) in geschlossenen Bereichen und daraus resultierenden Zusammenschlüssen in eigenen privaten Netzen mit Anschluss an das Internet, wird nicht nur in Firmennetzwerken sondern unter anderem bei Funknetzwerken beschritten, dort wo physikalisch kaum Schranken zur Regulierung gesetzt werden können. Ist es eine Tendenz zur Isolation? Wie verhält sich dies zu den großen Social Nets (You Tube, MySpace) . Ist es eine Wahrnehmung und Nutzung des Netzes aus urbaner und/oder ländlicher Perspektive ?

Wie das funktioniert und was dort gemacht werden kann und wer das ist, ist Thema der NCC07. Ist schon alles verloren oder Bedarf es einen Reload der Netzkunst. In diesem Sinne interessiert vor allem die Künstlerische Praxis in netzwerkgesteuerter Technik .

Dabei soll nicht zu sehr top-down agiert werden, sondern es werden Leute eingeladen, das zu zeigen/tun, was sie gerade beschäftigt - hands on. Die NCC07 soll so heterogen sein, wie es die Community ist, und eine inhaltliche und formale Vielfalt besitzen.

Daher laden wir die Community zur NCC07, kommt und beteiligt euch oder genießt in der Online Stube, bei Workshops, bei Essen schlafen, Musik, Präsentationen und großen Worten im Plenarraum oder einfach noch unvorhersehbaren verrückten Dingen.

für das NCC07_team,

euer

Winfried Ritsch

(Präsident mur.at).

[1]Untergehende Friedensordnung "Pax Americana", wie es 1986 schon Umberto Eco in "Travels in Hyperreality" beschrieb
[*]Bilder unter Creative Commons Licence
added by Winfried Ritsch last modified 2007-10-17 23:49
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